Handel & Wirtschaft

Kann der Ölpreis die globale Wirtschaft beeinflussen?

Die Antwort lautet definitiv ja. Steigende Ölpreise verändern das Konsumverhalten von Wirtschaftsakteuren wie Hersteller, Händler, Importeure etc. In der Folge könnten Investitionen verschoben bzw. überhaupt nicht getätigt werden. Ein bekanntes Ölpreisszenarium ist z. B. eine Kürzung des Ölangebots. Eine geringere Ölversorgung geht in der Regel mit einem Anstieg des Ölpreises einher.

Was wiederum deutliche konjunkturelle Implikationen für die ölimportierenden Länder bedeuten kann. Ein dauerhafter Angebotsgesteuerter Ölpreisanstieg kann die globale Weltwirtschaft sogar in eine Rezession stürzen. Diese Folgen hat es in der Vergangenheit als Reaktion auf geopolitische Spannungen im Nahen und Mittleren Osten bereits wiederholt gegeben. Erdöl spielt in der Industrie eine wichtige Rolle. So ist der Rohstoff Erdöl z. B. in der chemischen Industrie ein wichtiges Vorprodukt in der Produktionskette.

Eine indirekte Abhängigkeit der Industrie vom Erdöl entsteht z. B. wenn es als Rohstoff in die Produktion von Importprodukten einfließt. Somit kann die Veränderung des Ölpreises die globale Wirtschaft über verschiedene Wege beeinflussen. Die Erfahrung zeigt, dass negative Nachrichten wie etwa ein Kriegsausbruch den Ölpreis unmittelbar beeinflussen können. Regelmäßig kommt es bei solchen Szenarien zu einem Preisanstieg, bei gleichzeitigem Rückgang der Ölproduktion und einer höheren Vorratshaltung von Erdöl.

Welche Faktoren beeinflussen den Ölpreis?

preisentwicklung des ölpreises
CHUYKO SERGEY/shutterstock.com

Um ihren Bedarf an Energie zu decken, hängt die globale Industrie aktuell noch stark vom Öl ab. Das wird sich vermutlich auch vorerst nicht ändern. Öl wird auch in den nächsten Jahrzehnten weiterhin ein Rohstoff mit hoher Nachfrage bleiben. Öl ist fatalerweise für geopolitische Rivalitäten und Konflikte, wie z. B. Kriege im Nahen Osten, sehr anfällig und zählt deshalb zu den besonders volatilen Rohstoffen. Zudem liegen die meisten großen Ölvorkommen in politisch instabilen Ländern wie etwa im Nahen Osten (Syrien, Iran, Irak), Nordafrika (Algerien) und teilweise in Südamerika (Venezuela).

Besonders die Eskalation im Nahen Osten setzt die Rohölnotierungen fortlaufend unter Druck. Die Folge sind extreme Preisschwankungen. Trotz einer zu beobachtenden leichten Entspannung in Nahost blieb der Ölmarkt davon weitestgehend unbeeinflusst. Er befindet sich seit Dezember letzten Jahres in einem kontinuierlichen Aufwärtstrend. Hauptgrund sind die seit Monaten vorherrschende Verknappung der globalen Versorgungslage und ein fortschreitender Rückgang der globalen Ölvorräte. Die hieraus folgende erhöhte Nachfrage führte letztlich dazu, dass der Ölpreis stieg.

Welche anderen Faktoren beeinflussen den Ölpreis noch?

Der Ölpreis wird hauptsächlich durch Angebot und Nachfrage reguliert. Wesentliche Nachfragefaktoren, die den Ölpreis beträchtlich beeinflussen können, sind u. a. Wirtschaftswachstum, Wirtschaftsstärke, globale Wirtschaftsleistung und Ölreserven der Öl importierenden Länder. Es sind in erster Linie die USA, China und Europa, die die Nachfrage auf dem Ölmarkt bestimmen. Laut der Internationalen Energieagentur hat die Nachfrage nach Öl im Jahr 2022 100 Millionen Barrel pro Tag erreicht.

Die IEA geht für 2023 von einer Zunahme der Nachfrage um 2 Millionen Barrel pro Tag auf 102 Millionen Barrel aus. 2024 soll die Nachfrage nochmals um weitere 1 Million Barrel pro Tag steigen. Damit würde der weltweite Ölverbrauch auf ein neues Rekordhoch steigen. Letztlich spielen Angebotsfaktoren wie die verfügbaren Erdölreserven und die Ölproduktion eine entscheidende Rolle beim Ölpreis. So kann unter anderem bedingt durch fehlende Investitionen in der Vergangenheit in konventionelle Ölfördertechniken die aktuelle Ölförderung den steigenden Verbrauch nicht kompensieren.

rohölpreis
Pla2na/shutterstock.com

Mit anderen Öl-Energiequellen wie Schieferöl aus den USA wurde versucht, den Nachfrageüberhang auszugleichen. Doch hier haben steigende Produktionskosten und Arbeitskräftemangel einen Strich durch die Rechnung gemacht. Fakt ist, dass die Ölförderung mit dem derzeitigen Verbrauch nicht mehr mithalten kann. Das Angebot ist begrenzt und könnte weiter abnehmen. Die Ölpreise dürften daher auch im Jahr 2024 hoch bleiben.

Welchen Einfluss haben alternative Energien auf den Ölpreis?

In Zeiten des Klimawandels wächst das Bewusstsein für erneuerbare Energien wie Solarstrom und Windenergie. Das könnte dazu führen, dass die Nachfrage nach Öl abnimmt. Bei gleichbleibender Ölversorgung und sinkender Nachfrage könnten dann auch die Ölpreise fallen. In solchem Fall ist es aber sehr wahrscheinlich, dass die OPEC und andere globale Ölproduzenten ihr Angebot reduzieren, um die Preise auf einem stabilen, für sie noch gewinnbringenden Niveau zu halten. Auch der Wert des Dollars hat einen großen Einfluss auf den Ölpreis.

Der Kauf und Verkauf von Öl wird in US-Dollar vorgenommen. Bei einem starken Dollar sinkt der Ölpreis. Im Gegenzug steigt er bei einem schwachen Dollar. Ein Wort noch zur Marktspekulation. Da die Ölpreise auf den Futures-Märkten festgelegt werden, können Marktspekulationen hinsichtlich zukünftiger Ereignisse den Ölpreis daher beeinflussen. Ein Beispiel: Würde die Gewinnung von Erdöl durch Fracking global weiter wachsen, könnte dieser Trend zu vermehrten Spekulationen auf dem Ölmarkt führen. Allerdings haben mehrere Länder diese umweltschädliche Technik bereits verboten.

Fazit

Der Ölmarkt ist wie bereits erwähnt einer der volatilsten Märkte weltweit. Die Zukunft des Ölmarkts ist ungewiss. Der Ölpreis mit all den Auswirkungen auf die globale Wirtschaft hängt unmittelbar von der zukünftigen politischen Entwicklung und den Entscheidungen der Erdöl exportierenden bzw. importierenden Länder ab.