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Die Ritzel Produktion in Deutschland und ihre Anforderungen

Ritzel, so nennt sich das im Durchmesser kleinere der beiden Zahnräder in Zahnrad-, Zahnriemen- oder Kettengetrieben. In der Regel handelt es sich um das antreibende Zahnrad in einem Getriebe, das die Antriebskraft auf ein größeres Zahnrad überträgt. Auch als ins Getriebe eingearbeitete Zahnräder oder etwa in fertigen Ritzelwellen, in denen Ritzel gleich mit Antriebswellen zusammengefasst werden, kommen sie vor.

Ritzel haben zentrale Aufgaben in allen Bereichen, in denen die aufgezählten Getriebetypen gebraucht werden, d.h. in Fahrrädern in Motorfahrzeugen aller Art und Arbeitsmaschinen. Ihre Herstellung ist damit ein notwendiger Zweig des Metallbaus, für den es u.a. spezieller Fachkräfte mit einer eigenen sehr spezifischen Ausbildung bedarf.

Die Ritzel Produktion durch Bohrwerks- und Karusselldreher

Bohrwerksdreher und Karusselldreher sind traditionell diejenigen, die vor allem für die Fertigung von Ritzeln zuständig sind. Das sind Berufsgruppen, die dem Sektor der mechanischen industriellen Fertigung zuzurechnen sind. Sie stellen also hauptsächlich Maschinen- bzw. Fahrzeugteile, wie eben Ritzel, aus verschiedensten Werkmaterialien her, allem voran aus Stahl, aber auch aus Gusswerkstoffen und Nichtmetallen. Hochwertiger Stahl dominiert bei den Ritzeln als Werkmaterial allerdings deutlich, da diese zumeist aus einem festeren Werkstoff gefertigt werden als ihre Gegenräder im Getriebe.

Etwa als Bohrwerksdreher werden diese Fachkräfte gemeinhin bezeichnet, da das Bohrwerk (genauer das Horizontal-Bohr- und Fräswerk)oder andere üblicherweise CNC-gesteuerte Werkzeugmaschinen ihr übliches Arbeitsgerät dieser Berufsgruppe ist. Die Bohrwerks- oder Karusselldreher sind zumeist im Maschinenbau oder in Gießereien tätig, können aber prinzipiell in jedem Werkstücke herstellenden Gewerbe angetroffen werden.

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Geforderte Fähigkeiten eines Bohrwerks- oder Karusselldrehers

Der richtige Umgang mit der CNC (Computerized Numerical Control)-Steuerung, durch das die Automatisierung der Herstellung von Werkstücken von höchster Qualität und Präzision möglich wird, gehört durch ihre Arbeitsgeräte ebenso wie das Programmieren und Einrichten von Fertigungssystemen insgesamt und deren Überwachung zum täglichen Handwerkszeug der an der Ritzel-Produktion beteiligten Fachkräfte. Hier tritt der Bohrwerks- oder Karusselldreher sogar zumeist als Teamleiter auf, da er die Aufgaben in Anlehnung an die von ihm betreuten automatischen Prozesse koordiniert.

Doch damit ist es noch nicht getan. Die Arbeit als Bohrwerks- oder Karusselldreher in der Ritzel-Produktion allein ist vielfältig. So muss er über die Fähigkeit verfügen, technische Zeichnungen für die CNC-Fertigung zu lesen und zu verstehen (mitunter muss er Zeichnungen in Vektor- oder CAD-Formaten sogar selbst nutzbar machen), um deren Herstellung adäquat nach Kundenwunsch vorzubereiten. Weiterhin trägt er dazu bei, der Forderung der Antriebstechnik nach langlebigen, hochwertigen Werkstücken gerecht zu werden, indem er das Qualitätsmanagement durch regelmäßige Maßkontrollen und eine genaue Dokumentation der Werte unterstützt.

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Am Ende ist er darüber hinaus direkt am Abschluss der Fertigung der einzelnen Werkstücke beteiligt: Z.B. am Entgraten der einzelnen Ritzel, wie das Entfernen scharfer, im Laufe des Herstellungsprozesses entstandener Kanten, Auffaserungen oder Splitter genannt wird, und auch beim Transport von Hilfs- und Werkstücken (häufig unter Zuhilfenahme von flurgesteuerten Kranen). Das Entgraten, das auf verschiedenste Weise, etwa durch Bürsten, Feilen, Schleifen, aber auch thermisches oder elektrochemisches Entgraten erfolgen kann, sowie die Bedienung der Transportmittel für den Weitertransport setzen wieder eigenes Fach Know-How beim Bohrwerks- oder Karusselldreher voraus.

Ritzel Produktion: Die Ausbildung zum Bohrwerks- oder Karusselldreher

Ehe zum Bohrwerksdreher ausgebildet werden kann, bedarf es einer vorangegangenen Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker (vielfach werden unter diesem Überbegriff auch die Bohrwerks- oder Karusselldreher gefasst), die in Abhängigkeit vom vorliegenden Schulabschluss in der Regel 3 bis 3,5 Jahre dauert. Je höher der zu Beginn der Ausbildung vorliegende Bildungsabschluss ist, desto geringer ist die Ausbildungsdauer. Das sogenannte Spanen, von dem die Ausbildungsbezeichnung kommt, ist ein Herstellungsverfahren, zu dem Drehen, Fräsen und Schleifen gehören, sodass hier schon ideal auf die Weiterbildung zum Bohrwerks- oder Karusselldreher vorbereitet wird, der in diesen Techniken versiert sein muss.

Bohrwerks- oder Karusselldreher
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Allein der Zerspanungsmechaniker ist schon ein spannender Ausbildungsberuf, in dem gutes räumliches Vorstellungsvermögen und die ständige Auseinandersetzung mit High-Tech-Geräten gefordert ist. Um sich auf eine entsprechende Ausbildungsstelle zu bewerben, ist mindestens ein guter bis sehr guter Hauptschulabschluss mit besonders guten Noten in Mathematik angeraten.

Zumeist wird vor Antritt der Weiterbildung zum Bohrwerks- bzw. Karusselldreher zusätzlich noch Berufserfahrung als Zerspanungsmechaniker in Betrieben gefordert, damit sichergegangen werden kann, dass CNC-Kenntnisse vorliegen, das CNC-Programmieren einigermaßen beherrscht wird und bereits Erfahrungen gerade in der Bearbeitung auch von Großteilen vorliegen (die Gewichtsgrenze dieser Großteile liegt, anbei bemerkt, erst bei 12 Tonnen). Die Ausbildung ist jedoch insgesamt anzuraten. Da etwa Ritzel bspw. in derartig vielen verschiedenen Bereichen verwendet werden und es gerade was die fortschreitende Digitalisierung angeht, immer neue Entwicklungen gibt, kann hier einerseits mit einer relativen Jobsicherheit, andererseits aber auch mit fortwährenden Weiterqualifikationsmöglichkeiten gerechnet werden.

Der weitere Werdegang

Speziell für Zerspanungsmechaniker mit dem Schwerpunkt Bohrwerksdreher werden Weiterbildungen angeboten, durch die neue Tätigkeitsfelder im Bereich der Qualitätssicherung, die bei der Herstellung von Ritzeln besonders erforderlich ist, eröffnet werden. Nicht nur die produzierten Werkstücke, etwa die hergestellten Ritzel, unterliegen in deutschen Betrieben ständiger Qualitätskontrolle; immer häufiger halten Verfahren zur Qualitätssicherung auch Einzug in die Fertigung selbst. Wer direkt in der Fertigung kontrolliert, kann nämlich Produktionsfehler schneller erkennen und ausbessern, den Ausschuss reduzieren und letztendlich die Kosten senken.

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Bei Ritzeln, in Sonderheit, wenn diese als Kleinstzahnräder mit geringem Durchmesser vorkommen, können wenige Millimeter Abweichung nicht nur die Lebensdauer eines gesamten Getriebes reduzieren; durch sie kann es geschehen, dass Bauteile gar nicht erst zusammenpassen. Dementsprechend sind die Anforderungen hier besonders hoch.

Die Ritzel Produktion in Deutschland: Unser Fazit

Einzig anhand der Betrachtung der erforderlichen Fachkenntnisse zur Herstellung von Ritzeln wird deutlich, welch hohen Qualitätsstandards diese in Deutschland genügen müssen.