Kreislaufwirtschaft bei Autoteilen: Wie gebrauchte Ersatzteile Kosten und CO2 senken

von Redaktion

Ein Motor, ein Getriebe oder ein Scheinwerfer verlässt selten das Fahrzeug, weil das Bauteil vollständig verbraucht ist. Meist ist nur eine Komponente defekt, während der Rest weiterhin funktioniert. Genau an diesem Punkt setzt die Kreislaufwirtschaft im Ersatzteilmarkt an.

Statt jedes Bauteil neu zu produzieren, werden gebrauchte Teile geprüft, aufbereitet und ein zweites Mal in Umlauf gebracht. Wer beispielsweise nach Mercedes Ersatzteile sucht, findet heute häufig professionell geprüfte Gebrauchtteile, die sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch eine sinnvolle Alternative zu Neuteilen darstellen.

Für Werkstätten, Händler und private Autofahrer ergibt sich daraus eine doppelte Rechnung: niedrigere Kosten und eine deutlich bessere Klimabilanz. Wer ein Unternehmen im Handel oder im Kfz-Bereich führt, sollte die Zahlen dahinter kennen.

Der Markt: Millionen Fahrzeuge, ein wachsender Kreislauf

Die Grundlage für gebrauchte Autoteile bildet der Bestand an Fahrzeugen und deren Ausmusterung. In Deutschland waren zu Beginn des Jahres 2024 rund 52,3 Millionen Kraftfahrzeuge der Klassen M1 und N1 zugelassen, wie das Umweltbundesamt auf Basis der Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes ausweist. Jährlich kommen etwa 2,8 Millionen Neuzulassungen hinzu.

Interessant ist, was mit den ausgemusterten Fahrzeugen geschieht. Im Jahr 2023 fielen in der gesamten Europäischen Union rund 4,3 Millionen Altfahrzeuge an, die meisten davon in Frankreich mit etwa 1,0 Million, gefolgt von Italien mit 740.000 und Spanien mit 600.000. Deutschland lag mit nur rund 250.000 Altfahrzeugen auf Platz fünf, ein historischer Tiefststand. Der Grund liegt weniger in einem schrumpfenden Fahrzeugbestand als im Export: Allein 2023 wurden etwa 2,3 Millionen Fahrzeuge als Gebrauchtwagen ins Ausland verkauft, statt im Inland verwertet zu werden.

Die Fahrzeuge, die tatsächlich in die deutsche Verwertung gelangen, werden gründlich zerlegt. Nach der Abfallstatistik des Statistischen Bundesamtes demontierten die rund 944 Altfahrzeug-Demontagebetriebe im Jahr 2023 etwa 22,9 Prozent des Leergewichts der behandelten Fahrzeuge, um Ersatzteile und verwertbare Materialien zu gewinnen. Die Recyclingquote erreichte 86,1 Prozent und lag damit über der EU-Zielgröße von 85 Prozent. Die umfassendere Verwertungsquote, die auch die energetische Verwertung einschließt, kam auf 93,3 Prozent und verfehlte die Vorgabe von 95 Prozent knapp.

Was ein gebrauchtes Teil wirklich einspart

Der ökologische Vorteil gebrauchter und aufbereiteter Teile ergibt sich aus der eingesparten Neuproduktion. Jedes neu gefertigte Bauteil trägt die gesamte graue Energie aus Rohstoffgewinnung, Verhüttung, Formung und Transport in sich. Wird ein vorhandenes Teil wiederverwendet, entfällt dieser Aufwand fast vollständig.

Die europäische Herstellervereinigung APRA Europe beziffert die Einsparung durch professionelle Aufarbeitung auf 85 Prozent der Rohstoffe und 55 Prozent der Energie gegenüber einer Neuproduktion. Eine konkrete Ökobilanz liefert der europäische Onlinehändler B-Parts, der seine Berechnung auf eine Lebenszyklusanalyse nach der Methodik des Forschungsinstituts VITO stützt. Danach spart jedes wiederverwendete Teil im Schnitt über 50 Prozent an Emissionen gegenüber der Neuware. Bei mehr als einer Million verkauften Teilen summierte sich das nach eigenen Angaben auf etwa 60.000 Tonnen vermiedenes CO2.

Auch einzelne Bauteile lassen sich beziffern. Eine Untersuchung des Worcester Polytechnic Institute, die das GREET2-Modell des Argonne National Laboratory und Vorgaben der US-Umweltbehörde EPA nutzt, kam zu dem Ergebnis, dass die Wiederverwendung eines einzigen Motors eines Toyota Camry mehr als 1.600 Kilowattstunden Energie und bis zu 1.760 Kilogramm CO2 einspart. Die britische Studie „Repair, Reuse or Replace“ der VRA Certification in Zusammenarbeit mit SYNETIQ und Allianz beziffert die Einsparung auf bis zu 177 Kilogramm CO2-Äquivalent pro Reparatur, wenn statt eines Neuteils ein geprüftes Gebrauchtteil eingesetzt wird. Am Beispiel einer Fahrertür eines VW ID.3 zeigte dieselbe Studie, dass der CO2-Fußabdruck eines Neuteils über 200 Prozent höher ausfällt als eine direkte Reparatur, während ein Gebrauchtteil den Wert nur um rund 20 Prozent erhöht.

Der Effekt lässt sich auch über die Materialebene erklären. Recyceltes Aluminium benötigt gegenüber der Primärproduktion aus Erz rund 95 Prozent weniger Energie, bei Stahl liegt die Einsparung bei etwa 60 bis 70 Prozent. Da ein durchschnittlicher Mittelklassewagen mehrere hundert Kilogramm Stahl und Aluminium enthält, wirkt jede vermiedene Neufertigung unmittelbar auf den Energieverbrauch.

Die Rechnung für Werkstätten und Autofahrer

Neben dem Klimaargument steht der wirtschaftliche Vorteil, der für Betriebe oft ausschlaggebend ist. Gebrauchte Originalteile kosten je nach Komponente 40 bis 60 Prozent weniger als vergleichbare Neuteile. Bei aufgearbeiteten Bauteilen, dem sogenannten Remanufacturing, reicht die Ersparnis nach Angaben mehrerer Marktanalysen sogar von 40 bis 75 Prozent, wobei die Teile die gleichen Funktionen wie Neuware erfüllen und in der Regel mit Gewährleistung ausgeliefert werden.

Für eine Werkstatt bedeutet das einen konkreten Hebel bei der Kalkulation. Ein gebrauchter Motor oder ein aufgearbeitetes Getriebe senkt die Reparaturkosten schnell um mehrere hundert oder tausend Euro. Für ältere Fahrzeuge, deren Zeitwert eine Neuteil-Reparatur nicht mehr rechtfertigt, entscheidet die Verfügbarkeit gebrauchter Komponenten häufig darüber, ob sich eine Instandsetzung überhaupt noch lohnt. Der Kunde profitiert von einer günstigeren Rechnung, der Betrieb von einem Auftrag, der ohne diese Option verloren gegangen wäre.

Remanufacturing: die industrielle Stufe der Wiederverwendung

Die höchste Ausbaustufe der Kreislaufwirtschaft ist das Remanufacturing, bei dem ein gebrauchtes Bauteil vollständig zerlegt, gereinigt, geprüft und auf den Neuzustand zurückgeführt wird. Deutschland nimmt hier eine Spitzenposition ein. Nach der europäischen Marktstudie zum Remanufacturing entfällt auf Deutschland fast ein Drittel des europäischen Branchenumsatzes, gestützt auf die starke Automobilindustrie und die vorhandene Infrastruktur.

Das European Remanufacturing Network schätzt, dass die Aufarbeitungsindustrie in Europa bis 2030 ein Volumen von rund 100 Milliarden Euro erreichen und dabei nahezu 600.000 Arbeitsplätze schaffen könnte. Diese Zahl ist eine Prognose und keine gesicherte Ist-Größe, sie zeigt aber die Richtung, in die sich der Markt bewegt. Getragen wird die Entwicklung durch den EU-Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft und die überarbeitete Altfahrzeug-Verordnung, die Hersteller stärker in die Verantwortung für den gesamten Produktlebenszyklus nimmt.

Grenzen und offene Fragen

Bei allen Vorteilen ist der Kreislauf nicht ohne Reibungsverluste. Ein Teil der ökologischen Bilanz hängt vom Transportweg ab, denn ein gebrauchtes Teil, das quer durch Europa versendet wird, verliert einen Teil seines Vorteils. Hinzu kommt die Frage der Qualitätssicherung. In einer 2023 zitierten Erhebung des European Remanufacturing Council erklärten nur rund 45 Prozent der Fahrzeughalter, bereit zu sein, aufgearbeitete Teile zu kaufen. Das verweist auf ein anhaltendes Vertrauensproblem, dem die Branche mit Zertifizierungen und Garantien begegnet.

Auch der hohe Fahrzeugexport bremst den heimischen Kreislauf, da Fahrzeuge und ihre verwertbaren Komponenten dem deutschen Markt entzogen werden. Für Händler und Werkstätten bleibt die Kreislaufwirtschaft dennoch eine der wenigen Stellschrauben, die Kostsenkung und Nachhaltigkeit gleichzeitig bedient, ohne dass eine der beiden Seiten leidet.

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