Formelles Kostenrecht: Bedeutung, Anwendung und Beispiele

von Redaktion
Formelles Kostenrecht

Das formelle Kostenrecht beschäftigt sich mit den gesetzlichen Vorschriften, die festlegen, wie Kosten in gerichtlichen und außergerichtlichen Verfahren erhoben werden. Es beinhaltet Bestimmungen zu Gerichtskosten, Anwaltsgebühren, Notarkosten und anderen Auslagen.

Dieser Bereich des Rechtssystems ist von großer Bedeutung, da er sicherstellt, dass die Kosten für rechtliche Dienstleistungen fair und transparent sind. Es wird festgelegt, wie Gesetze und rechtliche Vorgaben umgesetzt werden müssen, beispielsweise durch Verfahrens- und Verwaltungsvorschriften. Dafür gibt es im Bürgerlichen Gesetzbuch eine Reihe von formellen Anforderungen.

Was bedeutet Kostenrecht?

Der Begriff Kostenrecht bezeichnet den Sektor des Rechtssystems, der sich mit der Erhebung, Berechnung und Verteilung von Kosten befasst. Es umfasst sowohl das formelle als auch das materielle Kostenrecht. Während sich formelles Kostenrecht damit befasst, unter welchen Umständen Kosten in einem Rechtsstreit festgelegt werden, befasst sich das materielle Kostenrecht damit, wer die Kosten zu tragen hat.

Das materielle Kostenrecht legt fest, welche der beiden Parteien für die Kosten aufkommen muss und unter welchen Bedingungen. Oder wie die Kosten etwa unter den Parteien aufgeteilt werden. Beides dient dazu, die Kosten transparent und gerecht zu verteilen. Außerdem soll es dem Schutz der finanziellen Interessen dienen und zur Rechtssicherheit beitragen. Das formelle Kostenrecht hingegen regelt präzise, wie die Kosten für Gerichtsgebühren, Anwaltshonorare und andere Ausgaben im Kontext eines Rechtsstreites berechnet und festgelegt werden.

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Was bedeutet „formell“?

Juristisch gesehen bedeutet „formell“ die äußere Ausgestaltung und die Einhaltung bestehender Verfahrensvorschriften. Der Begriff „formell“ im Recht kann sich etwa auf die Form von Verfahren, Verträgen und Dokumenten beziehen. Ein formelles Schreiben wäre demnach ein offizielles Schreiben, welches bestimmten rechtlichen Standards entspricht. So sind beispielsweise im Arbeitsrecht gewisse Vorschriften und Förmlichkeiten bei der Durchführung von Kündigungen einzuhalten. Kurz gesagt, bezieht sich „formell“ auf etwas, das festgelegten Regeln und Normen entspricht und in einer Weise erfolgt, die als offiziell, korrekt, angemessen und gültig betrachtet wird.

Beispiel für die Anwendung des formellen Kostenrechts

Zwei Parteien A und B streiten sich, der Streitwert beläuft sich auf Summe „X“. Partei B gewinnt nach dem Gerichtsverfahren und das Gerich verpflichtet Partei A zur Regulierung und dazu, dass Partei A die Prozesskosten erstatten muss. Die Prozesskosten gliedern sich wie folgt auf:

  • Gerichtskosten
  • Anwaltskosten
  • Etwaige Auslagen

Dies ist nur ein Beispiel, wie das formelle Kostenrecht angewandt wird, um die Aufwendungen zu regeln.

Was sind die häufigsten formellen Kostenarten?

Es gibt verschiedene formelle Kostenarten, die in rechtlichen Verfahren entstehen. Nachfolgend die Kosten, die am häufigsten anfallen:

  • Geht ein Rechtsstreit vor Gericht, fallen Gerichtskosten für die Einleitung und Durchführung eines Verfahrens an. Dazu zählen Gebühren etwa für das Einreichen von Klagen, Anträgen, Berufungen etc.
  • Wer in einem Rechtsstreit involviert ist, kann das kaum ohne einen Anwalt bewältigen. Für ihre Dienste fallen Anwaltskosten an, die je nach Anwalt, Fall und der damit verbundenen Arbeit variieren.
  • Ebenso kann eine Zwangsvollstreckung mit Gebühren belegt werden, wenn ein Gerichtsurteil oder eine gerichtliche Entscheidung durchgesetzt werden muss. Dazu gehören Ausgaben für Gerichtsvollzieher oder andere Personen, die die Umsetzung des Urteils sicherstellen.
  • In speziellen Verfahren kann ein Sachverständiger benötigt werden und es kann zu Sachverständigenkosten kommen. Die Kosten beinhalten, Expertisen, Untersuchungen und Gutachten.
  • Zeugen, die vor Gericht aussagen, erhalten in der Regel, wenn sie nicht darauf verzichten, eine Entschädigung für ihre Zeit wie Verdienstausfall und Reisekosten. Kommen Zeugen aus entfernten Orten, sind gelegentlich Reise- und Unterbringungskosten zu leisten.
  • Bei mehrsprachigen Verfahren fallen zusätzliche Kosten für die Übersetzung von Aussagen und Dokumenten an
  • Bei zusätzlich benötigten Beweise oder spezielle Anträge fallen ebenfalls zu spezifische Gerichtsgebühren an. Zudem können Verwaltungskosten für Verfahrensabwicklung und gerichtlichen Akten fällig werden.
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Die Vollstreckung

Die Vollstreckung fällt ebenfalls in den Bereich formelles Kostenrecht. Es regelt neben dem Verfahren auch die Kosten, die durch eine Vollstreckung entstehen. Hier wird, wenn jemand nicht zahlen will, eine Zwangsvollstreckung eingeleitet. Die Grundlage dafür ist ein rechtskräftiges Urteil und ein Vollstreckungstitel. Vollstreckungsmöglichkeiten sind Pfändungen von Vermögenswerten wie Immobilien, Konten, Fahrzeuge, ja sogar Gehaltspfändungen oder Zwangsversteigerungen. Hierbei sind Fristen und Verjährung einzuhalten. Die Vollstreckung im formellen Kostenrecht ist ein wichtiger Schritt, um sicherzustellen, dass die obsiegende Partei die ihr zustehenden Kosten und Auslagen erhält.

Sind die Kosten in allen Bundesländern gleich?

Die Kosten für Anwälte und Gerichte können innerhalb der Bundesländer unterschiedlich sein. Dies liegt daran, dass jede Landesjustizverwaltung ihre eigenen Gebührensätze und Kostenordnungen festlegen kann. Diese Richtlinien regeln, wie viel Geld Anwälte und Gerichte für ihre Dienstleistungen berechnen dürfen. Jedes Bundesland hat seine eigenen Regelungen für die Erhebung und Berechnung von Gerichts- und Anwaltskosten.

Auch die Gerichtsgebühren für Klagen und Berufungen variieren, was sich auf die Gesamtkosten auswirken kann. Anwälte legen in der Regel ihre Honorare selbst fest, jedoch gibt es gesetzliche Richtlinien oder Höchstsätze in den einzelnen Bundesländern. Ebenso unterscheiden sich häufig die Streitwerte je nach Bundesland. Es kann durchaus sein, dass in Bundesländern mit höheren Einkommen und Lebenshaltungskosten die Anwalts- und Gerichtskosten tendenziell höher sind.

Wie lassen sich die Kosten im formellen Recht reduzieren?

Es gibt einige Maßnahmen, welche die Kosten stark reduzieren. Die beste Möglichkeit, um Kosten zu vermeiden, ist es, sich vor oder während des Gerichtsverfahrens gütlich zu einigen. Diese Vorgehensweise kann die Kosten deutlich senken. Für Menschen mit geringem Einkommen kann Prozesskostenhilfe die finanzielle Belastung durch einen Gerichtsprozess verringern. Eine weitere Option ist es, sich einen kostenbewussten Anwalt zu suchen, der etwa günstige Stundensätze oder Pauschalpreise anbietet.

Auch eine Rechtsschutzversicherung kann dazu beitragen, die Kosten für einen Rechtsstreit zu minimieren. Eine alternative Streitbeilegung von Konflikten durch einen Mediator kann auch preiswerter sein als ein Prozess vor Gericht. Diese neutrale Person vertritt nicht die Interessen einer Partei, sondern bemüht sich um eine gütliche Einigung.

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